Leichte Sprache: Barrierefrei kommunizieren

Texte auf Webseiten, Nachrichtenportalen, in Broschüren oder Flyern können mitunter ganz schön kompliziert sein. Zu kompliziert für Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber auch für alle, die vielleicht nur Grundkenntnisse der jeweiligen Sprache haben. Deshalb gibt es „Leichte Sprache“: Im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) soll diese Sprache es Menschen mit Leseschwierigkeiten ermöglichen, aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzuhaben.

Auch wenn Leichte Sprache kein geschützter Begriff ist, gibt es weltweit Netzwerke, die feste Regeln für ihren Gebrauch definieren. In Deutschland zum Beispiel formuliert das „Netzwerk Leichte Sprache“ sinngemäß folgende Regeln:

1. Es darf nur bekannte Worte geben.
2. Die Sätze sollen kurz und einfach sein.
3. Einfache, klare Fotos und Bilder unterstützen den Textinhalt.
4. Alle Texte werden geprüft – und zwar von Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Etwas kompliziert: Neben der „Leichten Sprache“ gibt es auch die „Einfache Sprache“ – und zwischen beiden gibt es gravierende Unterschiede. Einfache Sprache ist komplexer als Leichte Sprache; sie zielt vor allem darauf ab, bürokratische Texte, zum Beispiel von Ämtern oder Versicherungen, verständlicher zu formulieren. Anders als bei der Leichten Sprache wird die Einfache Sprache nicht von Bildern begleitet – und auch nicht von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft.

Entstanden ist die Leichte Sprache in den Vereinigten Staaten von Amerika: Die 1974 gegründete Organisation „People First“ hatte 1996 als erste die Idee des „Easy Read“. In Deutschland gab der 2001 gegründete „Verein Mensch“ unter anderem zwei Wörterbücher in Leichter Sprache heraus. 2006 entstand dann auch das „Netzwerk Leichte Sprache“. Europäische Richtlinien für die Erstellung leicht lesbarer Informationen wurden ebenfalls erstellt: Ergebnis ist ein voluminöses Regelwerk, das die internationale Organisation „Inclusion Europe“ in Zusammenarbeit mit acht Ländern (Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Litauen, Österreich, Portugal, Schottland) herausgegeben hat.

In Europa hat Schweden bei dem Thema Easy-to-Read die Nase vorn: Unter anderem erscheint dort für Menschen mit Leseschwierigkeiten die achtseitige Wochenzeitung „8 Sidor“ – und es gibt sogar einen eigenen Verlag für Publikationen in Leichter Sprache. Deutschsprachigen Menschen mit Leseschwierigkeiten sollten die Website http://www.nachrichtenleicht.de/ besuchen. Dort finden sich aktuelle Weltnews aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur – präsentiert in Leichter Sprache. Eine großartige Initiative aus Köln (Hochschule Köln in Kooperation mit dem Deutschlandfunk), dem Stammsitz von @transcript.

Quellen:
http://www.bpb.de/apuz/179341/leichte-und-einfache-sprache-versuch-einer-definition
http://www.leichtesprache.org/index.php/startseite/leichte-sprache/das-ist-leichte-sprache?showall=&start=1#